Klingendes Café International

Ein Workshop für junge geflüchtete Erwachsene

vom 18. bis 29. Juni 2018.

Von Dr. Ursel Schlicht

 

 

Dieser Workshop war eine Kooperation vom Zentrum für Interkulturelle Musik Kassel

und der Kirchengemeinde Matthäuskirche Kassel-Niederzwehren.

Wir wurden gefördert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung:

"Ich bin HIER! Willkommen." Vielen Dank!

Vorbereitungen

Zum ersten Mal gestaltete ich einen interkulturellen Workshop im Team:  

Sam Munzer studierte Geige in Damaskus und ist seit zwei Jahren in Deutschland. Ich lernte ihn im Café Matthäus kennen und wir haben seit Ende 2017 zusammen im Quartett “Arjin” gespielt und konzertiert. Sam spricht sehr gut englisch und deutsch und konnte so als Gastdozent und dazu als Dolmetscher mitwirken. Er übersetzte den Flyer mit der Workshopankündigung auf arabisch. 

Anees Al-Bhuruzi habe ich ebenfalls im Café Matthäus als sehr hilfsbereiten und interessierten Menschen kennengelernt.

Er wohnte in 2017 in einer Gemeinschaftsunterkunft und half viel in der Matthäus-Gemeinde, auch um der Unterforderung in der Gemeinschaftsunterkunft etwas entgegenzusetzen. Er sprach noch nicht viel deutsch. Anees ist musikinteressiert und besuchte u.a. einen Workshop über Grundlagen des Keyboard-Spiels, den ich im Frühjahr im Stadtteilzentrum Wesertor gab. 

Wir trafen uns am 26. Mai im Kulturbunker Kassel zur Vorbereitung. Wir sprachen über die Gründe und das Potenzial interkultureller Begegnungen durch Musik. Sam übersetzte für Anees auf arabisch und wir vereinbarten, gemeinsam Teilnehmer anzusprechen, die noch nicht lange in Kassel und in Gemeinschaftsunterkünften untergebracht sind. 

Beide, Sam und Anees, wohnen mittlerweile in eigenen Wohnungen. Mit Sam besuchte ich die Unterkunft Park Schönfeld, in der er auch Bekannte hat, sowie das Café Zuflucht, ein Treffpunkt dort in der Nähe.   

Mit Anees besuchte ich die einzige Erstaufnahme in Kassel, die in 15-20 Minuten von der Matthäusgemeinde aus erreichbar ist.

Dort war es aufgrund der Sicherheitsvorkehrungen notwendig, einen Termin mit den Sozialarbeitern zu verabreden, die sich ausführlich Zeit nahmen und das Projekt sehr begrüßten.

Wir wurden eingeladen, am Mittwoch, den 27. Juni auf dem dortigen Sommerfest aufzutreten. Dies betrachtete ich als eine optimale Möglichkeit der gegenseitigen Vernetzung und Begegung. Wir lernten bei unserem Besuch am 15. Juni zwei sehr interessierte junge Männer aus dem Iran kennen, die beide Klavier spielen. Ich lud sie ein, schon vorab an einem Fest des Kulturhauses 'Kulturbunker Kassel' am Tag der Musik (16. Juni) teilzunehmen, wo sie gemeinsam mit mir auch an einem gemeinsamen Community Drum Circle und dem gemeinsamen Singen teilnahmen. 

Zusätzlich informierte ich alle relevanten Adressen – Kollegen, Kulturhäuser, Gemeinden, die Caritas, und eine Freundin am Kulturzentrum Schlachthof, die dort Deutschkurse gibt.

 

Projektbericht

Dieser zweiwöchige Workshop mit dem Namen “Klingendes Café International” für zehn Teilnehmerinnen und Teilnehmer richtete sich an junge geflüchtete Erwachsene, die neugierig auf Musik als Weg eines gemeinsamen Austauschs sind.

 

Musik wird jenseits einer gemeinsam gesprochenen Sprache als kraftvolle und bereichernde Ebene der Verständigung genutzt. Die improvisatorische Flexibilität wird trainiert und es gilt, aufeinander zu hören und voneinander zu lernen, Fragmente aus Sprache und Musik zu verbinden, Rhythmen und Stimme als Ausdrucksmittel zu nutzen sowie Lieder und Geschichten aus verschiedenen Teilen der Welt kennenzulernen und zu gestalten. Konkrete Beschreibungen einzelner Tage vermitteln hier einen Eindruck.

 

Musik-Projekt 'Klingendes Café International' von Dr. Ursel Schlicht mit geflüchteten jungen Erwachsenen, 2018, Kassel, Foto 1

Montag., 19. Juni: Gruppenfoto im Gemeindesaal der Matthäus-Kirche.

Nicht im Bild: Anees (fotografiert) sowie zwei weitere Teilnehmer.

Montag, 19. Juni:

Am ersten Abend fand sich eine ausgesprochen heterogene Gruppe im Gemeindesaal der Matthäus-Kirche, die oben im Bild zu sehen ist: Unser Team mit mir, Ursel Schlicht, aus Deutschland, Wesam Munzer aus Syrien und Anees Al-Bhuruzi aus dem Irak, die Teilnehmer aus dem Iran, Eritrea, Syrien, dem Irak sowie ein kurdischer junger Mann und seine Mutter, außerdem eine Vertreterin des Kirchenvorstands, ein Sozialarbeiter und ein Angestellter des RP Gießen aus Kassel.

Die Verständigung erfolgte weitestgehend auf deutsch.

 

Nach einer kurzen Begrüßung stellten wir uns im Kreis auf und verbrachten die erste Stunde mit einem Warm-up der Stimme. Wir etablierten einen Grundton, auf dem wir dann konsonante Töne aufbauten. Die Wahl der Töne wurde immer freier und ging allmählich in kleine Melodien und Patterns über. Mehrmals bat ich alle im Kreis, einen Schritt nach vorn zu gehen, bis der Kreis so eng stand, dass ein gemeinsamer Gesamtklang stärker zu hören war als eine einzelne Stimme. Dadurch bewegen sich akustisch, physisch und auch emotional alle aufeinander zu und es entsteht ein von allen spürbares Gruppengefühl.

 

Einige in der Gruppe sangen längere Melodien. In so einer ersten Situation ist dies nicht selbstverständlich und zeigt hohe Musikalität. In einem passenden Moment teilte Anees Perkussionsinstrumente aus, ohne den musikalischen Fluss im Kreis zu unterbrechen. Ich baute die Musik so auf, dass das kollektive Singen in Call- und-Response-Übungen überging. Etwas später setze ich mich ans Klavier und begleitete die Gruppe, zeigte am Klavier den Grundton und die Phrasen, die sich entwickelt hatten. Ein iranischer und ein eritreischer Teilnehmer sangen klar und sicher. Johannes aus Eritrea sang uns ein Lied auf Tigrinya, das alle sehr schön fanden. Wir sangen die Melodie dann gemeinsam und das Lied ließ sich relativ schnell auf Instrumenten spielen.

Musik-Projekt 'Klingendes Café International' von Dr. Ursel Schlicht mit geflüchteten jungen Erwachsenen, 2018, Kassel, Foto 2

Ich bat nun alle Teilnehmer um einen eigenen musikalischen Beitrag. Einige hatten wenig oder keine instrumentalen Vorkenntnisse und mehrere setzten sich zum ersten Mal in ihrem Leben an ein Klavier. Dies war jeweils ein besonderer Schritt, und jedesmal unterstützte die Gruppe solch einen Moment sehr.

 

Im anschließenden Gespräch sagte ich, dass ich offen für alle musikalische Wünsche bin. Wesam, der selbst Musiker ist und als Gastdozent mitwirkte, sprach über seine eigene Erfahrung, über die Musik als Geflüchteter in Deutschland eine sehr wichtige und spannende Ebene gefunden zu haben – musikalisch, emotional und sozial. Er ermutigte die Gruppe, sich in diesen beiden Wochen auf den Workshop einzulassen. Es war für alle spürbar, wie wir uns durch die Erfahrungen in diesen ersten Stunden bereits recht intensiv kennengelernt hatten. Die Stimmung war hervorragend. Alle wollten am kommenden Abend zur gleichen Zeit zum zweiten Termin kommen.

Dienstag, 19. Juni:

Wir trafen uns am gleichen Ort und begannen nach einem kurzen Warm-up sofort mit dem eritreischen Lied, das wir am Tag zuvor gelernt hatten. Jeder durfte Teile daraus am Klavier oder auf Xylophonen spielen.

 

Eritreische Musik basiert auf der Pentatonik. Ich erklärte die traditionelle Dur/Moll- Pentatonik, die aus Ganztönen und kleinen Terzen besteht und keine Leittöne enthält. Das Lied bestand aus drei melodischen Teilen, hatte keine großen Intervallsprünge und alle Anwesenden konnten mindestens einen Teil der Melodie wiedergeben. Mehrere konnten die ganze Melodie spielen. Dazu erfand ich eine Bassbegleitung und die Gruppe spielte das ganze Lied.  

Musik-Projekt 'Klingendes Café International' von Dr. Ursel Schlicht mit geflüchteten jungen Erwachsenen, 2018, Kassel, Foto 3
Musik-Projekt 'Klingendes Café International' von Dr. Ursel Schlicht mit geflüchteten jungen Erwachsenen, 2018, Kassel, Foto 4

 

 

 

Ali K. aus dem Iran spielt gut Klavier

und spielte uns iranische Lieder vor,

die er selbst herausgehört und harmonisiert hatte.

Diese Lieder waren sehr schön und 

wesentlich länger als das eritreische Lied.

Es war für alle spannend, Teile daraus zu lernen.

 

Ein Lied im Dreiertakt motivierte mehrere von uns,

dazu am Ende des Abends auch zu tanzen.

Das große Thema dieses Abends waren die Hörgewohnheiten: Im Unterschied zur Pentatonik der eritreischen Musik stehen die iranischen Lieder im Dur-Moll-System und enthalten melodische Verzierungen. Da einige in der Gruppe genug musikalische Erfahrung hatten, konnte ich die Unterschiede mit musiktheoretischen Begriffen detailliert erläutern.

Mittwoch, 20. Juni:

Am Mittwoch trafen wir uns im Institut für Musik der Uni Kassel. Dort leite ich das Seminar “Improvisation” und hatte den Vormittag als Begegnung der Workshopteilnehmer mit den Studierenden am Institut konzipiert. Dieser Vormittag war ein Highlight des Workshops. Zunächst bedeutete diese Begegnung eine Erweiterung des eigenen Erfahrungsschatzes für alle. Als Erweiterung des Sozialraums speziell für die Geflüchteten sind der Uni-Campus und ein Besuch des Instituts für Musik sehr wertvoll. Der Konzertsaal des Instituts für Musik ist sehr schön und großzügig gestaltet. Wir konnten ein hervorragendes Instrumentarium bereitstellen: ein großes Marimbaphon, ein Vibraphon, zwei Klaviere sowie Djembés für alle Teilnehmer.

 

Wir begannen mit einem Djembé-Kreis und spielten uns ein. Westafrikanische Djembé-Trommeln bieten auch für Anfänger ein sehr großes klangliches Spektrum. Wir sprachen über die Herkunft der Trommeln: jede ist aus einem Baumstamm von Hand hergestellt und somit ein Unikat. Jonas (Seminarteilnehmer) zeigte verschiedene Spieltechniken und ich reizte die Möglichkeiten des dynamischen Spektrums von sehr leise bis sehr kräftig mit der Gruppe aus.

 

An diesem Tag wurde weltweit der Weltflüchtlingstag begangen. Zurzeit sind 65 Millionen Menschen auf der Flucht.

Ich sagte, dass ich Musik hier als eine besondere, universelle Kraft empfinde, die in unserem Rahmen für eine gemeinsame positive Erfahrung, Toleranz und Akzeptanz genutzt werden kann.

Musik-Projekt 'Klingendes Café International' von Dr. Ursel Schlicht mit geflüchteten jungen Erwachsenen, 2018, Kassel, Foto 6
Musik-Projekt 'Klingendes Café International' von Dr. Ursel Schlicht mit geflüchteten jungen Erwachsenen, 2018, Kassel, Foto 7

 

Wir arbeiteten dann an dem eritreischen Lied. Dies läßt sich mit Marimba-und Vibraphon hervorragend umsetzen, da die Pentatonik auf diesen Instrumenten auch optisch deutlich abgesetzt und daher relativ einfach zu spielen ist.

Die Pentatonik wurde von allen gespielt und gemeinsam mit dem Material improvisiert, sodass das Lied in einen neuen, improvisatorischen Kontext eingebunden werden konnte.

Nach einer Weile gab es eine kollektive Stimmung, in der die Pentatonik nur angedeutet wurde und der Schwerpunkt sich auf improvisatorische Beiträge verlagerte.

Musik-Projekt 'Klingendes Café International' von Dr. Ursel Schlicht mit geflüchteten jungen Erwachsenen, 2018, Kassel, Foto 8

 

 

Anschließend war noch Zeit für das iranische Lied vom Vortag im Dreiertakt.

Auch hier ergaben sich neue klangliche Welten und eine Diskussion über Hörgewohnheiten, Dur/Moll-Tonalität, universelle Tonfolgen wie die

Pentatonik und die verschiedenen Ebenen klanglicher Kommunikation.

 

Musikalisch war dieser Vormittag ausgesprochen

spannend und fand auf einem sehr hohen Niveau statt.

 

Mittags gab es ein gemeinsames Ausklingen im Café auf dem Campus

mit denen, die nicht sofort zu ihrem nächsten Termin mussten.

Persönlich ergaben sich daraus Gespräche zwischen jungen

geflüchteten Erwachsenen und Studierenden in ähnlichem Alter.

Dabei gab es praktische und wertvolle Tipps rund um das Studium.

Donnerstag, 21. Juni:

Musik-Projekt 'Klingendes Café International' von Dr. Ursel Schlicht mit geflüchteten jungen Erwachsenen, 2018, Kassel, Foto 9

 

 

Heute war der Kreis etwas kleiner und der Fokus lag auf dem Klavierspiel.

An diesem Tag kamen die fortgeschrittensten Teilnehmer: Ali und Benjamin, die beide Klavier spielen, und Johannes, der auch in der Uni dabei war.

Ich zeigte Übungen mit zehn Fingern, die alle machen konnten. Dann übten alle das eritreische Lied, bis jeder es spielen konnte. Nun zeigte ich Dur-und Molltonleitern und erläuterte die historischen Entwicklungen von Natürlich Moll, Harmonisch Moll und Melodisch Moll.

Wir harmonisierten das iranische Lied und ich erklärte Umkehrungen von

Akkorden und wie in verschiedenen Akkordlagen die Grundtöne erkannt werden können.

 

Zwar waren auch einige dabei, die diese theoretischen Informationen leicht überforderte, aber da die Gruppe etwas kleiner war, konnte ich sehr konzentriert mit jedem eine Zeit am Piano verbringen und jeden individuell fördern.

 

Einer der Iraner spielt nach Noten und sagte, dass ihm das Spiel nach Noten wesentlich leichter falle als nach Gehör; ich nahm mir vor, Notenmaterial für ihn herauszusuchen und mitzubringen.

Freitag und Samstag, 22./23. Juni:

Einladung zur Probe und zum Konzert “Match Music” im Kulturhaus Dock 4.

Nach vier Abenden Workshop und am Ende einer Woche, an der die meisten tagsüber parallel auch Kurse und Schulen besucht hatten, waren alle ganz dankbar für eine Pause.

Wer wollte, konnte Probe und Konzert von Match Music miterleben. Dies war ein Konzept des Kasseler Musikers Martin Speicher für elf Musiker zum Weltcup-Fußballspiel Deutschland gegen Schweden.

Das Konzept nahm Aspekte des Fußballs humorvoll auf und forderte die Musiker stark, da 90 Minuten lang 25 “Taktiken” umgesetzt wurden. Manchmal musste punktgenau auf das Spiel eingegangen werden, manchmal gab es Spielrollen,

die ähnliche Teamwork verlangten wie beim Fußball, durchsetzt mit lustigen Momenten.

Anees dokumentierte einen wichtigen Moment, nämlich das Finale des Konzerts, das hochintensiv konzipiert war und tatsächlich auch fußballerisch fantastisch passte mit dem umjubelten Tor von Toni Kroos in der Nachspielzeit.

 

Zum Konzept Match Music:

"Das Ensemble "IM ABSEITS" präsentiert am 23. Juni eine ungewöhnliche musikalische Performance zur Fußballweltmeisterschaft.

Zur rein optischen Live-Übertragung des Spiels Deutschland - Schweden werden die sportlichen  Parameter einer solchen Begegnung durch verschiedene konzeptionelle Entwürfe unmittelbar in Musik umgesetzt. Der Ablauf des Ballspiels bedingt also den Ablauf des Klangspiels. Das Ensemble "IM ABSEITS" läuft dabei in Mannschaftsstärke auf, mit einer Vielzahl von Instrumenten,  deren Einsatz sich den Regeln und Aktionen auf dem Spielfeld zuordnen. Dass das Ganze auch eine humorvolle Seite haben wird, scheint unumgänglich.  Dieses einzigartige Ereignis bietet Menschen,  die sich nicht zwischen Sport -und Kunstereignis entscheiden können,  eine rundum befriedigende Alternative. --- Es spielen:

Dirk Marwedel - Erweitertes Saxophon, Detlef Landeck - Posaune, Steffen Schmitt - Trompete/Flügelhorn, 

Marko Perels - Gitarre, Joshua Weitzel - Gitarre/Elektronik, Ursel Schlicht - Piano, Silvia Sauer - Stimme, 

Georg Wolf - Kontrabass, Sven Krug - Kontrabass, Jörg Fischer - Schlagzeug, Martin Speicher - Saxophone/Klarinette.

Das verehrte Publikum ist auch angehalten, eigene Geräuscherzeuger zur Steigerung des Vergnügens mitzubringen.

Konzeption und Spielleitung: Martin Speicher."

Sonntag, 24. Juni:

Workshop-Treffen im Kulturbunker Kassel.

Der Kulturbunker Kassel ist ein außergewöhnliches Haus, in dem neben vielfältigen musikalischen Aktivitäten auch Theater, Architektur und auf dem Dach z.B. eine Imkerei Platz finden, unterirdische Führungen angeboten werden und mehr.

Um innerhalb der Workshopzeit möglichst unterschiedliche Orte in unterschiedlichen Stadtteilen kennenzulernen, fand der Workshop am Sonntag hier statt.

 

Der Fokus lag auf arabischer Musik und arabischen Maquams, also den Skalen, auf denen arabische Musik basiert.

Sam zeigte an der Geige verschiedene Skalen und erklärte außerdem einen grundlegenden arabischen Rhythmus.

Es gab eine interessante Diskussion, warum einige arabische Lieder so bekannt und beliebt sind. Mehrere Teilnehmer sagten, dass sie die berühmte Sängerin Fairouz, die sie alle kennen und schätzen, mit morgendlicher Stimmung und Jasminduft verbinden. Interessant war, dass dies sowohl von jemand aus Damaskus wie auch von jemandem aus dem Nordirak empfunden wurde.

Montag, 25. Juni und Dienstag, 26. Juni:

An diesen Tagen fanden die Treffen wieder um 18.00 Uhr im Gemeindesaal statt.

Einige kamen wieder, die am Wochenende nicht konnten. Es war gut, einen Hauptort zu haben, den alle kannten.

Da wir eingeladen waren, am Mittwoch eine Aufführung zu geben, drehte sich am Montag und auch am Dienstag vieles um das Proben und die Arrangements der Lieder und Musikstücke, die wir bereits kennengelernt hatten.

 

Schön, aber nicht einfach war ein iranisches Lied, das Ali am Piano sehr gut und sicher spielen konnte. Wir begannen, Teile aus dem Lied zu singen und instrumental zu üben, und es war eher eine Probenatmosphäre als die offene Workshop-Stimmung der ersten Woche. Zu erleben, wie ein Stück dann mit einem Ensemble geprobt wird, war auch interessant für weniger erfahrene Teilnehmer: Wie zählt man ein, wie gibt man Einsätze, wie arrangiert man die Ideen abwechslungsreich, wie oft wiederholt man einen Teil, so dass er sicher wird etc.

 

Erfreulicherweise kamen wieder neue Teilnehmer dazu: zwei junge Geschwister aus Syrien hatten von einer Betreuerin von dem Workshop erfahren. Diese rief mich am Wochenende an und fragte, ob es noch Sinn mache, in den Workshop hineinzuschnuppern. Die beiden kamen dann am Montag, am Dienstag und auch am Mittwoch zum Konzert.

Am Dienstag kam außerdem Benaz, die Mutter von Benyamin. Sie und Benyamin wohnten in der Erstaufnahme, in der am Mittwoch auch unser Beitrag zum Sommerfest stattfinden sollte. Benaz kannte das iranische Lied und konnte es sehr schön singen.

Die neuen und weniger fortgeschrittenen Teilnehmer konnte ich so gut es ging einbinden. Alle machten einen interessierten und motivierten Eindruck und ich versprach, dass man sich auch nach dieser ersten intensiven Zeit nochmal zur Nachbesprechung und eventuell auch zu weiteren Begegnungen treffen kann.

 

Mittwoch, 27. Juni:

An diesem Tag fand das Sommerfest in der Erstaufnahme in der Frankfurter Straße statt.

Ursprünglich war angedacht, an dem Tag im Café Matthäus International zu spielen. Beides war logistisch nicht zu bewältigen. Dem Team vom Café Matthäus war es sehr viel lieber, den Termin zu verschieben.

Außerdem lief am Nachmittag ein Spiel der Fußball-WM. So hatten wir uns seit Montag darauf konzentriert,

den heutigen Auftritt beim Sommerfest in der Frankfurter Straße vorzubereiten.

Dafür, dass diese heterogene Gruppe sich noch nicht lange kannte, lief die Aufführung sehr gut.

Ein großes Plus bestand darin, dass drei Bewohnerinnen und Bewohner aus dem Camp sowie mein Helfer Anees dabei waren. Dies erfreute viele Bewohner und Mitarbeiter.

Unser Auftritt dauerte lange und war der einzige Live-Beitrag des Abends. Die Stimmung war sehr positiv.

Wir konnten uns in dieser Situation nicht wirklich als Gruppe verabschieden. Es gab viel abzubauen und zu transportieren.

Am nächsten Morgen hatten zwei Teilnehmer ihren Transfer nach Kassel, mehrere hatten Prüfungen.

Ein kleines Abschlusstreffen fand später statt und wir beschlossen, in Kontakt zu bleiben und uns wiederzusehen.