SonicExchange Quintet

Catherine Sikora Mingus, Stephanie Griffin, Ursel Schlicht, Hilliard Greene, Andrew Drury

Catherine Sikora Mingus - Sopran- + Tenorsaxophon (Irland)

Stephanie Griffin - Viola (Kanada)

Ursel Schlicht - Piano

Hilliard Greene - Kontrabass (USA)

Andrew Drury - Schlagzeug + Perkussion (USA)

 

Dieses experimentier- und spielfreudige Quintett besteht als Work-in-progress seit vier Jahren und trifft sich trotz der räumlichen Distanz immer wieder in New York. In Kassel finden musikalische Arbeitsphasen verbunden mit Konzerten und Workshops statt.

Ein Schwerpunkt im Sommer 2017 war die Begegnung mit geflüchteten Musikern.

Catherine Sikora Mingus´ Saxophonspiel umspannt einen weiten Bogen von lyrischer Melodik, abstrakten Dissonanzen und kontrolliertem Obertonspiel. Sie ist in modernen und freien Formen des Jazz sowie als Komponistin tätig. Sie lebte lange in New York und ist seit 2016 in ihrem Heimatland Irland. >>> http://www.catherinesikora.com

Stephanie Griffin ist Gründerin des Streichquartetts Momenta, das zahlreiche Premieren neuer Musik aufgeführt hat und Komponisten von Phil Glass bis Ursula Mamlok im Programm hat. Sie ist als Improvisatorin in zahlreichen New Yorker Ensembles aktiv. Mit Ursel Schlicht spielt sie seit 16 Jahren. >>> http://www.stephaniegriffinviola.com

Hilliard Greene ist als Improvisator u. a. durch sein Spiel mit Cecil Taylor bekannt und unterrichtet in New York an der Collective School of Music. >>> http://hilliardgreene.com

Andrew Drury ist einer der aktivsten Schlagzeuger in New York, arbeitet seit Jahren mit benachteiligten Jugendlichen (Projekt Drum Bridge) und ist Gründer der Organisation Continuum Culture. >>> http://www.andrewdrury.com

 

Digitales Projekt mit dem SonicExchange Quintett

Wie kann man Wege finden, über die räumlichen Distanzen den kreativen und auch den emotionalen Zusammenhalt untereinander zu stärken, und dabei das das live-Moment und die Spontaneität der Improvisation ins Zentrum stellen?

Durch ein Arbeitsstipendium der Hessischen Kulturstiftung habe ich einen Prozess begonnen, dieser Frage nachzugehen:

In Phase 1 habe ich eine Woche lang immer wieder Aufnahmen gemacht und mir bei der Improvisation die live fehlenden Dimensionen sehr genau ins Bewußtsein gerufen:

-Ich habe an eine konkrete Person und ihren persönlichen Sound gedacht und für diese Person gespielt, indem ich deren bestimmte ästhetische Vorlieben im Ohr habe und so spiele, als wäre die Person mit dabei.

-Ich habe das ganze Ensemble im Ohr und spiele so, dass Platz für alle ist, sich an meinem Spiel im Nachhinein zu beteiligen.

- Ich probiere aus, einen regelmäßigen Puls in meinem Spiel zu haben, dabei Harmonien zu spielen, die eine Offenheit haben, die ein freies Improvisieren ermöglicht. Ein Beispiel ist hier die Aufnahme “Chordal Walk”, zur Zeit mit mir am Piano und Catherine Sikora am Tenorsaxophon.


- Es entstehen Stücke mit längeren Pausen, die eine andere Art von Freiraum geben als ein stetiger Puls. Dabei entsteht ein anderes Spannungsfeld als in der gemeinsamen Improvisation. Es ist eine Spielvorlage, mit der a) eine Weile experimentiert werden kann, oder die b) eben in der ersten Version so stehenbleibt, wie die Improvisation in dem Moment erfolgte.

- Ich verwende den Piano-Innenraum, um eine bestimmte Stimmung zu erzeugen, die ästhetisch in einem ähnlichen Bereich bleibt, so eine Basis bildet, die den anderen sehr viel unterschiedliche Möglichkeiten eröffnet. Hier eine Version mit Viola und Kontrabass.


- Als Kontrast zu vorher-hörbaren, in einem Bereich bleibenden Spielvorlagen improvisiere ich mit Stimmungen, in denen kontrastreiche Passagen sind, in denen sowohl sanfte wie auch sehr energievolle Passagen vorkommen. Hier hatte ich in dem Beispiel “Dialogues” zunächst keine bestimmte Person in meiner Vorstellung. Beim Hören der Improvisationen entstehen dann akustische Ideen, und ich entscheide, wem ich dieses Stück zuerst schicke. Hier eine Version mit Catherine Sikora am Saxophon.


- Außerdem habe ich zwei Stücke von John Coltrane ausgewählt. Hier entwickle ich zunächst eine eigenen Statement zu den Jazzkompositionen. In einer normalen Studiosituation, wo hintereinander aufgenommen wird, würde Bass und Schlagzeug zuerst aufnehmen, dann käme erst das Piano. Ich habe hier eine Reihe von Versionen aufgenommen, um den Weg umzudrehen, immer mit Bass und Schlagzeug im Bewußtsein.



Mit zeitlichem Abstand höre ich nun die Aufnahmen und zwar erst, wenn ich keine konkrete Erinnerung an Details der Aufnahmesituation erinnere. So kann ich einen neuen Eindruck der Musik gewinnen, der hilft zu entscheiden, welche Auswahl aus diesem Material am zum Weiterschicken geeignet ist.

In Phase 2 hat nun hat eine Person einige Stücke nur mit Piano zur Auswahl, hört diese an, beginnt damit zu spielen, und dann in der richtigen Situation die Improvisation dazu aufzunehmen und an mich zurückzuschicken.

In Phase 3 höre ich nun das neue Material an und schicke es an eine weitere Person.

Nach und nach entsteht so eine digitale Aufnahme, an der alle beteiligt sind und das live-Moment und die Spontaneität der Improvisation trotz räumlicher Distanz dennoch eine Rolle spielt. Diese kreative Phase hat zum Ergebnis, dass eine neue, spannende Herangehensweise an die Entwicklung von Musik für und mit dem Ensemble entsteht. Die Art des Improvisierens führt zu neuen Herangehensweisen, vielleicht am meisten in Bezug auf Zeit und die langen Phasen, in denen ich nicht spiele. Dann entstehen neue Überlegungen: sollte ich einen Take an alle gleichzeitig schicken, und dann schauen wir, wie die unterschiedlichen Versionen sind? Könnten so auch Kompositionen oder Arrangements der Improvisationen entstehen?

workshops/concerts

Workshop Interkulturell

mit dem SonicExchange Quintet im Kulturbunker Kassel, 2017:

Intercultural Workshop SonicExchange Quintet, Kassel

 

Andrew (USA) und Ahmad (Syrien):

 

Hilliard, Andrew, Stephanie + Ursel:


 

Konzert Interkulturell 

mit dem SonicExchange Quintet im Café International, Matthäus-Gemeinde Niederzwehren 2017:

Kurdische und arabische Lieder, Melodien aus Irland und Polen, Improvisationen und Rhythmen, 

gestaltet von: Ursel Schlicht - Piano + Leitung, Catherine Sikora Mingus - Sopran- + Tenorsaxophon (Irland), Stephanie Griffin - Viola (Kanada), Hilliard Greene - Kontrabass (USA), Andrew Drury - Schlagzeug + Perkussion (USA);
mit Midya
 (Gesang), Sabri (Gesang + Gitarre), Eva (Akkordeon), Bernd (Violine), Christof (Bratsche), Alan und Ahmed (Perkussion) und weiteren.

 

 


hörbeispiele/excerpts

SonicExchange Quintet

Stephanie Griffin - viola, Catherine Sikora Mingus - soprano sax

OozeBek (excerpt):

SonicExchange Quintet 

Call the Brigade (excerpt):

Hilliard Greene - bass

Swing low:

Ursel Schlicht - piano, Andrew Drury - drums

Improvisation (excerpt):


SonixExchange Quintet: Catherine Sikora Mingus, Stephanie Griffin, Ursel Schlicht, Hilliard Greene, Andrew Drury